Poster

Poster 1: Demographischer Wandel als gesellschaftliche Herausforderung. Wie lassen sich ...

Demographischer Wandel als gesellschaftliche Herausforderung. Wie lassen sich ausl√§ndische Fachkr√§fte f√ľr Europa gewinnen?

 

Caroline Verena Wahle (Universität Koblenz-Landau)
Katrin Weisenburger (Universität Koblenz-Landau)

 

Abstract:

Angesichts des demographischen Wandels in einigen Ländern Europas und des damit einherge-henden Fachkräftemangels, stellt die Anwerbung internationaler Studierender einen vielverspre-chenden Ansatz dar, um das wirtschaftliche Wachstum zu sichern (vgl. OECD, 2013).
Ausgehend vom ‚ÄěPush-Pull-Modell der Migration" nach Lee (1996), war das zentrale Ziel der Studie, welche im Cross-National-Research Design angelegt war, die Identifizierung der relevanten Bedin-gungsfaktoren der Entscheidung f√ľr oder gegen eine Migration nach Deutschland. Hierf√ľr wurde eine Befragung unter Erasmus Mundus Master Studierenden durchgef√ľhrt.
Als bedeutsamste Pull-Faktoren konnten die Qualit√§t und Reputation des deutschen Hochschulsys-tems und die Verf√ľgbarkeit geeigneter Stellenangebote identifiziert werden. Der wichtigste Push-Faktor ist komplement√§r dazu die geringe Verf√ľgbarkeit geeigneter Besch√§ftigungsm√∂glichkeiten in den Herkunftsl√§ndern. Die komplexe Entscheidung zur Migration wird dar√ľber hinaus durch sog. "obstructing factors" seitens des Heimatlandes beeinflusst. Die wichtigsten sind hier der Wunsch mithilfe des in Europa gewonnenen Wissens zur Entwicklung des Heimatlandes etwas beizutragen und der Grad der Verwurzelung im Herkunftsland ("settlement status").
Au√üerdem wurde als ma√ügebende Variable im Entscheidungsprozess bez√ľglich einer potentiellen Migration die L√§nge des Aufenthalts in Deutschland (Faktor ‚ÄěZeit") betrachtet. Hier konnte ein positi-ver Zusammenhang der in Deutschland verbrachten Zeit auf die Einstellung gegen√ľber dem Land ermittelt werden. Dies verdeutlicht den Stellenwert einer Willkommenskultur und eines positiven Umgangs mit kultureller Vielfalt, eine Perspektive, die noch weiter entwickelt und st√§rker in die Ge-sellschaften hineingetragen werden sollte. Dem sich zuspitzenden Fachkr√§ftemangel kann auf lange Sicht nur dann begegnet werden, wenn das Potential interkultureller Studien- und Arbeitsumgebun-gen auf politischer und gesellschaftlicher Ebene erkannt wird.

 

Bibliograhpie:

Alesi, Bettina & Kehm, Barbara M. (2010). Internationalisierung von Hochschule und Forschung. Politik, Instrumente und Trends in Europa und Deutschland. In Alesi, Bettina (eds.): Aktuelle hochpo-litische Trends im Spiegel von Expertisen. Internationalisierung, Strukturwandel, Berufseinstieg f√ľr Absolventen (pp. 13-75). Kassel: Jenior.

Br√ľcker, H., Engerer, H., Thie√üen, U. & H√§rle, W. (2006). Zuwanderung zum Zwecke der Erwerbst√§-tigkeit im demographischen Wandel. Deutsches Institut f√ľr Wirtschaftsforschung: Berlin.

Hazen, H. D., & Alberts, H. C. (2006). Visitors or Immigrants‚ÄĮ? Population, Space and Place, 216(12), 201‚Äď216.

Lee, E. S. (1966). A Theory of Migration. Demography, 3(1), 47‚Äď57.
OECD (2013). Recruiting Immigrant Workers: Germany 2013, OECD Publishing.

Schoorl, J. J., Heering, L., Esveldt, I., Groenewold, G., van der Erf, R., & Bosch, A. H. de Valk & de Bruijn, B. (2000). Push and Pull Factors of International Migration. A Comparative Report. Luxem-bourg: Office for Official Publications of the European Communities.

Straubhaar, T. (2000). International mobility of the highly skilled: Brain gain, brain drain or brain ex-change (No. 88). HWWA Discussion Paper. Hamburgisches Welt-Wirtschafts-Archiv: Hamburg.

Tremblay, K. (2005). Academic Mobility and Immigration. Journal of Studies in International Educa-tion, 9(3), 196‚Äď228.

 

 

Poster 2: Die Rolle der Schule im Prozess der kumulativen Verfestigung sozialer Ungleichheit

Die Rolle der Schule im Prozess der kumulativen Verfestigung sozialer Ungleichheit

 

Susanne Weiß (TU Darmstadt)

 

Abstract:

Das einstige Ziel der Bildungsexpansion ‚Äď die Einebnung sozialer Ungleichheit durch einen Zugewinn an Bildung ‚Äď hat sich bedauerlicherweise als Illusion erwiesen. Das Paradox der Bildungsexpansion besteht in einer Zunahme von bereitgestellten Bildungschancen, jedoch in einer Stagnation von Bildungsgerechtigkeit. Die Erlangung von Bildung innerhalb des Schul- und Lebensweges ist keine frei gew√§hlte Entscheidung, sondern geht auf die soziale Herkunft und auf die damit verbundenen Chancen, die Institution Schule als ,,bildungsnah" eingestuftes Kind zu meistern oder innerhalb dieser als ,,bildungsfern" eingestuftes Kind zu scheitern, zur√ľck. Im Ursachengeflecht sozialer Ungleichheit wirkt eine Kombination institutioneller, schulischer und p√§dagogischer, innerhalb der Schule wirksam werdender, Steuerung mit milieuspezifischen Strategien zusammen. Durch diese milieuspezifisch differenziell verlaufende Bildung, Erziehung und Sozialisation, der damit verbundenen Aneignung unterschiedlicher Sprachcodes, einer differenten Tradierung kulturellen Kapitals und divergierenden Denk-, Wahrnehmungs-, Handlungs- und Interpretationsschemata ‚Äď kurz einem differenten Habitus ‚Äď und einem Zusammenwirken prim√§rer und sekund√§rer Herkunftseffekten, an den Schaltstellen des Schulsystems, kommt Kindern bildungsferner sozialer Milieus unfreiwillig nicht dieselbe Chance auf Bildung zu, wie Kindern bildungsnaher sozialer Milieus. Mit Eintritt in die Institution Schule wird diese innerhalb der fr√ľhkindlichen Phase zwangsl√§ufig zustande kommende soziale Ungleichheit von Seiten der Schule, welche als Verfestigungsst√§tte sozialer Ungleichheit fungiert, durch gezielte Allokations-, Selektions- und Abdr√§ngungsmechanismen symbolischer Gewalt in Bildungsungleichheit √ľbersetzt. Dem deutschen Bildungssystem bzw. der Institution Schule kommt somit, als sog. ,,black box", die Aufgabe der Reproduktion und Verfestigung sozialer Ungleichheit innerhalb des Bildungsgeschehens und die Selektion bzw. Sicherstellung einer Leistungselite zur gesellschaftlichen F√ľhrung zu. Bedauerlicherweise leben wir, auch 60 Jahre nach den bildungspolitischen Reformbem√ľhungen im Zuge der Bildungsexpansion auch nach wie vor in einer Gesellschaft mit beschr√§nkten Chancen.

 

Bibliographie:

Allmendinger, J./Ebner, C./Nikolai, R. 3. Auflage. (2010): Soziologische Bildungsforschung. In: Tippelt, R./Schmidt, B. (Hrsg.): Handbuch Bildungsforschung. Wiesbaden: VS Verlag.

Becker, R./Lauterbach, W. 1. Auflage. (2004): Bildung als Privileg und Fluch ‚Äď zum Zusammenhang zwischen lebensweltlichen und institutionalisierten Bildungsprozessen. In: Becker, Rolf/Lauterbach, Wolfgang (Hrsg.): Bildung als Privileg? Wiesbaden: VS Verlag.

Boudieu, Pierre und Jean Claude Passeron. (1971): Die Illusion der Chancengleichheit. Stuttgart: Klett Verlag.

Bourdieu, Pierre. (1993): Sozialer Sinn. Kritik der theoretischen Vernunft. 3. Strukturen, Habitusformen, Praktiken. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag.

Dahrendorf, Ralf. (1965): Bildung ist B√ľrgerrecht. Pl√§doyer f√ľr eine aktive Bildungspolitik. Hamburg: Nannen Verlag

Geißler, Rainer. 2. Auflage. (1994): Soziale Schichtung und Bildungschancen. In: Geißler, Rainer: Soziale Schichtung und Lebenschancen in Deutschland. Stuttgart: Ferdinand Enke Verlag.

Hadjar, Andreas. (Hrsg). (2011): Geschlechtsspezifische Bildungsungleichheiten. In: K√∂lner Zeitschrift f√ľr Soziologie und Sozialpsychologie. 63. Jahrgang. Heft 04/2011.

Krais, Beate. (1996): Bildungsexpansion und soziale Ungleichheit in der Bundesrepublik Deutschland. In: Bolder, A./Heid, H. et al.: Jahrbuch '96. Bildung und Arbeit. Die Wiederentdeckung der Ungleichheit. Aktuelle Tendenzen in Bildung und Arbeit. Opladen: Leske & Budrich Verlag.

Meulemann, Heiner. (1985): Bildung und Lebensplanung. Frankfurt am Main: Campus Verlag, S. 69ff.PISA. 2009. Bilanz nach einem Jahrzehnt. Waxmann Verlag.

Vester, Michael. (2004): Die Illusion der Bildungsexpansion. In: Engler, Steffanie/ Krais, Beate (Hrsg.): Das kulturelle Kapital und die Macht der Klassenstrukturen. Sozialstrukturelle Verschiebungen und Wandlungsprozesse des Habitus. Weinheim: Juventa Verlag.

 

 

Poster 3: Die (Ohn)Macht des Staates. Zur Reproduktion von Bildungsungleichheit durch den ...

Die (Ohn)Macht des Staates. Zur Reproduktion von Bildungsungleichheit durch den Wohlfahrtsstaat

 

Ronny K√∂nig (Universit√§t Z√ľrich)

 

Abstract:

Neuere Studien zur Bildungsvergabe und sozialen Schichtung betonen die fortwährende Existenz von sozialer Ungleichheit hinsichtlich der Zugänge zu allgemeiner bzw. tertiärer Bildung. Dabei sind neben individuellen und familialen Einflussgrössen auch kulturell-kontextuelle Bedingungen bedeut-sam. Allerdings wurden die einzelnen Faktoren bisher zumeist isoliert voneinander diskutiert. Eine gemeinsame Betrachtungsweise steht bislang noch aus, ist jedoch vor dem Hintergrund familialer und gesellschaftlicher Veränderungsprozesse unabdingbar.
Mit Hilfe des Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe (SHARE) wird diese kombinierte Sichtweise f√ľr 13 europ√§ische Staaten (AT, BE, CH, DE, DK, ES, FR, GR, IE, IT, NL, PT, SE) einer empirischen L√§nder-Kohorten-Analyse unterzogen. Dieses Vorgehen erlaubt, die im jeweiligen Land herrschende Verkn√ľpfung zwischen sozialer Herkunft und Zugangschancen zu ber√ľcksichtigen und parallel den Einfluss wohlfahrtsstaatlicher Indikatoren sowohl auf Bildungserfolge als auch auf die Bedeutung der sozialen Herkunft √ľber den Zeitverlauf bestimmen zu k√∂nnen.
Multivariate Mehrebenenanalysen k√∂nnen bisherige Forschungserkenntnisse dahingehend best√§ti-gen, wonach die elterliche Schichtzugeh√∂rigkeit einen direkten Einfluss auf den Bildungserfolg ihrer Nachkommen aus√ľbt. Gleichzeitig lassen sich gesellschaftliche Faktoren identifizieren, die eine we-sentliche Rolle in Bezug auf das Ausmass dieser Kopplung von sozialer Herkunft und Bildungschan-cen einnehmen. Im Ergebnis zeigt sich, dass vergleichsweise wirtschaftlich h√∂her entwickelte L√§nder wie auch grossz√ľgige wohlfahrtsstaatliche Investitionen nicht per se zu einem Mehr an Chan-cengleichheit f√ľhren m√ľssen. Zudem lassen sich gesellschaftliche Ver√§nderungsprozesse wie auch Unsicherheiten identifizieren, von denen eine gleichermassen positive wie auch negative Wirkungs-richtung in Bezug auf das Erreichen h√∂herer Bildungsziele als auch auf die Reproduktion sozialer Ungleichheiten ausgehen kann.

 

Bibliographie:

Becker, Rolf (Hg.) (2010): Bildung als Privileg. Erkl√§rungen und Befunde zu den Ursachen der Bil-dungsungleichheit. 4. Aufl. Wiesbaden: VS Verlag f√ľr Sozialwissenschaften.

Becker, Rolf (Hg.) (2011): Lehrbuch der Bildungssoziologie. 2. Aufl. Wiesbaden: VS Verlag f√ľr Sozi-alwissenschaften.

Berger, Peter A. (2011): Reproduktion von Ungleichheit durch Arbeit und Familie. Wiesbaden: VS Verlag f√ľr Sozialwissenschaften.

Boudon, Raymond (1974): Education, opportunity, and social inequality. Changing prospects in Western society. New York: Wiley.

Bourdieu, Pierre; Passeron, Jean Claude (1977): Reproduction in education, society and culture. London, Beverly Hills: SAGE.

Breen, R. (2007). Social mobility in Europe. Oxford, New York: Oxford University Press.

Coleman, James S. (1994): Grundlagen der Sozialtheorie. M√ľnchen: Oldenbourg.

Franzen, Axel; Freitag, Markus (Hg.) (2007): Sozialkapital. Grundlagen und Anwendungen. Wiesba-den: VS Verlag f√ľr Sozialwissenschaften.

Gross, Martin (2008): Klassen, Schichten, Mobilit√§t. Eine Einf√ľhrung. Wiesbaden: VS Verlag f√ľr Sozialwissenschaften.

Hadjar, Andreas; Becker, Rolf (Hg.) (2006): Die Bildungsexpansion. Erwartete und unerwartete Fol-gen. 1. Aufl. Wiesbaden: VS Verlag f√ľr Sozialwissenschaften.

 

 

Poster 4: Familienkonzeptbezogene Lern- und Bildungsprozesse ‚Äď ein erziehungswissenschaftlicher ...

Familienkonzeptbezogene Lern- und Bildungsprozesse ‚Äď ein erziehungswissenschaftlicher Blick auf den Wandel der Familie

 

Dr. Matthias Euteneuer (TU Dortmund)

Prof. Dr. Uwe Uhlendorff (TU Dortmund)

 

Abstract:

Gesellschaftlicher Wandel schl√§gt sich auf zweierlei Weise im Lebenslauf von Familien nieder: Erstens befinden sich Familien h√§ufiger in Lebenslagen, in denen der Familienalltag neu gestaltet und dabei Vorstellungen eines ‚Äöguten' Familienlebens reflektiert werden m√ľssen (z.B. infolge steigende Scheidungsraten sowie prek√§rer Arbeitsmarktbedingungen). Zweitens ist diese Aufgabe herausfordernder geworden, da klare gesellschaftliche Vorgaben hierf√ľr oft fehlen. Besonders im Rahmen familialer √úberg√§nge (z.B. √úbergang zur Elternschaft, Wiedereinstieg in den Beruf, Trennungen und Wiederverpartnerungen) sind intensive Auseinandersetzungen mit Familienkonzepten zu erwarten (vgl. Uhlendorff u.a. 2011, 339ff.), also jenem Konglomerat an Deutungen und Vorstellungen von Familie, welche Familienmitglieder durch die Reflexion ihres Familienalltags sowie gesellschaftlicher Normen erwerben und stetig weiterentwickeln.
Obwohl eine Untersuchung der Entwicklung von Familienkonzepten einen Beitrag leisten w√ľrde zum Verst√§ndnis familialen Wandels, fehlt es bislang an einschl√§gigen Studien. Diese L√ľcke soll ein ab April 2013 laufendes DFG-Projekt f√ľllen. Aus einer erziehungswissenschaftlichen Perspektive wird dabei der Prozess der Entwicklung und Anpassung von Familienkonzepten als Lern- und Bildungsprozess gefasst. Ziel des Projektes ist es, Ver√§nderungen in den subjektiven Familienkonzepten von Eltern zu erfassen und zu pr√ľfen, ob sich diese als auf die √úberwindung von Differenzerfahrungen bezogene Lern- und Bildungsprozesse erkl√§ren lassen. Das Projekt st√ľtzt sich dabei auf ein in einer Pilotstudie entwickeltes theoretisch-empirisches Modell zur Erfassung von Familienkonzepten (vgl. Knuth u.a. 2009). Das Poster stellt dieses ‚ÄöFamilienkonzeptmodell' sowie das Design und die Methoden des anlaufenden empirischen Projektes vor, das auf einer qualitativen L√§ngsschnittstudie sowie einer Verkn√ľpfung von qualitativen Leitfadeninterviews mit visualisierenden Methoden basiert.

 

Bibliographie:

Knuth, Nicole; Sabla, Kim-Patrick; Uhlendorff, Uwe (2009): Das Familienkonzeptmodell. Perspektiven f√ľr eine sozialp√§dagogisch fokussierte Familienforschung und -diagnostik. In: Neue Praxis, Sonderheft 9, S.181-193

Uhlendorff, Uwe; Rupp, Marina; Euteneuer, Matthias (2011) Wellbeing of Families in Future Europe: Challenges for Research and Policy. Raleigh, NC, (verf√ľgbar √ľber http://hdl.handle.net/2003/28905)

 

 

Poster 5: Verwirklichungschancen junger M√ľtter angesichts Voraussetzungen ungleicher Jugend.

Verwirklichungschancen junger M√ľtter angesichts Voraussetzungen ungleicher Jugend. Ergebnisse einer Studie von Lebensgeschichten sogenannter ‚ÄěTeenagerm√ľtter"

 

Bettina Ritter (Universität Bielefeld)

 

Abstract:

Dieses Poster zeigt Teile der Ergebnisse eines im Abschluss befindlichen Promotionsprojekts, das sich mit Lebensgeschichten von Frauen besch√§ftigt, die unter 20 J. ein Kind bekommen haben. Das Spannungsverh√§ltnis Jugend ‚Äď Mutterschaft ‚Äď Erwerbsarbeit, in dem sich alle interviewten Frauen befinden, wird aus einer kritischen Perspektive auf Verwirklichungschancen (Sen u.a. 2009) theoretisch diskutiert. Dies wird verbunden mit einem jugendtheoretischen Blick, der Jugend als ‚ÄěM√∂glichkeitsraum" begreift (King 2004) und darin das emanzipatorische Potential (vgl. Scherr 2010), sowie die klassen- und geschlechtsspezifische Ungleichheit von Jugend thematisiert. Wie je unterschiedlich die Frauen von diesem Spannungsverh√§ltnis betroffen bzw. in ihm situiert sind, wird anhand dreier kontrastiver Lebensgeschichten deutlich gemacht. Die gesellschaftlichen Anforderungen an sie ‚Äď einerseits als ‚ÄěJugendliche", andererseits als (‚Äěerwachsene") M√ľtter ‚Äď zeigen sich in je unterschiedlichen biographischen Strategien zwischen Anpassung und Widerstand. Sowohl die M√∂glichkeiten zum Entwickeln eigener Lebensentw√ľrfe als auch die Umsetzungsm√∂glichkeiten variieren sowohl danach, wie gesellschaftlich anerkannt sie sind als auch je nach vorhandenen Belastungen und Ressourcen der Unterst√ľtzung. Hiervon ist auch abh√§ngig, ob 1. jugendliche M√∂glichkeitsr√§ume er√∂ffnet werden, die jenseits von Qualifizierung und gesellschaftlicher Integrationsmaxime, Subjektbildungsprozesse erm√∂glichen, 2. ob positive und widerstandsf√§hige Mutterschaftspraktiken entworfen und umgesetzt werden k√∂nnen und 3. ob berufsbezogene Lebensentw√ľrfe entwickelt werden (k√∂nnen), die sich an der Realit√§t als tragbar erweisen und materielle Sicherheit gew√§hrleisten.

 

Bibliographie:

King, Vera. 2004. Die Entstehung des Neuen in der Adoleszenz. Wiesbaden: VS Verlag.

Scherr, Albert. 2010. F√ľr eine strukturtheoretisch fundierte kritisch-reflexive Jugendforschung ‚Äď Konturen einer transdisziplin√§ren Perspektive. In: Riegel, Christiane/Scherr, Albert/Stauber, Barbara (eds.). Wiesbaden: VS Verlag.

Sen, Amartya. 2009. The Idea of Justice. London: Allen Lane.

 

 

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