Plenumsveranstaltungen B - Donnerstag, 27.06.2013: 9.00 - 11.00

Plenumsveranstaltung B1: Social Inequality and Environmental Justice

Plenumsveranstaltung B1:
B1 – Social Inequality and Environmental Justice
Soziale Ungleichheit und Umweltgerechtigkeit

Plenary session B1 will be held in English.

 

Zeit: Donnerstag, 27.06.2013: 09.00 - 11.00
Ort: HG 201
Organisator/en: Jörg Rössel und Michael Stauffacher in Zusammenarbeit mit Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW) 
Chair: Michael Stauffacher 

 

 

Beitrag 1:

Gibt es so etwas: Umweltgerechtigkeit? 

 

 

Referent/in: Anton Leist 
Organisation:

Universität Zürich

Abstract:

Diese auf den ersten Blick vielleicht provozierend klingende Frage ist von der Beobachtung motiviert, dass typische individualrelevante Umweltübel und -güter in enger Abhängigkeit von den sozialen Lebensbedingungen „verteilt" werden. Dann wäre die „umweltgerechte" Verteilung dieser Güter Teilbestand sozialer Gerechtigkeit -- was zur Folge hätte, dass keine eigenständigen, unserem Verhältnis zur Umwelt entspringenden Gerechtigkeitskriterien möglich sind. Wie Umweltübel und -güter verteilt würden, wäre indirekt Ausdruck sozialer Gerechtigkeit.
In einem solchen „eingebetteten" (indirekten) Sinn wird Umweltgerechtigkeit vorrangig von Sozialwissenschaftlern verstanden, die sich seit kurzem mühen, die sozialen Ursachen der ungleichen Verteilung der Umweltübel und -güter aufzudecken. Ohne diesen Zugang vollständig in Frage zu stellen, ist er doch dem Gedanken der Umweltgerechtigkeit nicht angemessen. Das zeigt sich dann, wenn man diese Gerechtigkeitsform, anders als bei sozialer Gerechtigkeit, als einem kollektiven Gut entspringend versteht. Dann ist ihr Thema nicht die vorrangig empirische Frage, welche umweltrelevanten Aspekte gerechte soziale Ungleichheit einschließen kann, sondern wie kollektive Umweltübel und -güter getrennt von sozialer Gerechtigkeit gerecht verteilt werden können. Erst bei einer solchen, von sozial bedingten Lagen unabhängigen Verteilung sollte man von „genuiner" (direkter) Umweltgerechtigkeit sprechen. Denn in diesem Fall entspringen die Verteilungskriterien nicht (indirekt) den üblichen sozialen Verdiensten und Rechten, sondern einem vorgängigen kollektiven Besitz an der Umwelt.
Wie ich zeigen will, kann nur die direkte Umweltgerechtigkeit zu starken moralischen Forderungen in drei Dimensionen führen: die ungleiche Verteilung von Umweltübeln, die ungleiche Verbesserung von Umweltübeln und die ungleiche Nutzung von Umweltgütern. Anschauungsmaterial für diesen Zugang bieten nicht nur die seit kurzem dokumentierten ungleichen Gesundheits- und Lebensstilchancen aufgrund unterschiedlicher Umweltbedingungen, insbesondere räumlicher Art, sondern – wichtig für die Zukunft – der in vielen Konsumgütern versteckte ungleiche „Umweltverbrauch" an kollektiven Gütern wie Wasser oder Senken. Wenn man die natürlichen Umweltgüter als kollektive Güter unterstellt, dann sind diese Ungleichheiten als solche bereits ungerecht, unabhängig von ihrer gerechten sozialen Aneignung. Direkte Umweltgerechtigkeit muss allerdings gegen den Vorwurf, bloß eine „philosophische Idee" zu sein, ebenso verteidigt werden, wie ihre Reichweite umrissen werden muss. Im Unterschied zur indirekten Umweltgerechtigkeit beruht die direkte auf der Akzeptanz kollektiver Umweltgüter, bei einer völlig individualisierten/ökonomisierten Güterkonzeption wäre sie unmöglich. Ob es direkte Umweltgerechtigkeit gibt, hängt deshalb gerade davon ab, wie überzeugend die normativen Gründe für einen kollektiven Besitz der natürlichen Umwelt sind. 

 

 

 

Beitrag 2:

Umweltbelastungen nach Sozialschicht in der Schweiz 

 

 

Referent/in: Andreas Diekmann 
Organisation:

Eidgenössische Technische Hochschule Zürich 

Abstract:

Forschungen zur „Umweltgerechtigkeit" zeigen, dass sich soziale Benachteiligungen und Umweltbelastungen kumulieren. Ein geringer Bildungsgrad, tiefes Einkommen und Migrantenstatus gehen oft auch mit höherer Lärmbelastung und Luftverschmutzung einher. Viele Studien zu dieser Thematik basieren allerdings nur auf kleinen, selektiven Stichproben. Mit dem „Schweizer Umweltsurvey 2007" wurden erstmals landesweite Daten aus einer Befragung Schweizer Haushalte mit geo-referenzierten Daten der Lärm- und Luftbelastung verknüpft (Diekmann und Meyer 2010). Insbesondere mit Blick auf die Frage nach der Korrelation zwischen Sozialschicht und Umweltbelastung können Surveys allerdings verzerrte Ergebnisse liefern. Die Teilnahme ist freiwillig und gerade Personen mit geringerem Bildungsgrad und ausländischem Pass sind in solchen Erhebungen unterrepräsentiert. In der Volkszählung sind hingegen, bis auf wenige Ausnahmen, sämtliche Haushalte der Wohnbevölkerung in der Schweiz vertreten. Die erheblich grössere Fallzahl ermöglicht zudem vertiefte Untergliederungen des Materials und erhöht wesentlich die Verlässlichkeit der statistischen Ergebnisse. In dem Vortrag werden Befunde einer Untersuchung berichtet, die auf Daten der Volkszählung 2000 basiert. Dabei werden mehr als 150'000 Haushalte einer Zufallsstichprobe aus der Volkszählung mit geo-referenzierten Werten der Lärm- und Luftbelastung verknüpft. Mittels multivariaten statistischen Verfahren wird der Frage nachgegangen, in welcher Weise und in welchem Ausmass Dimensionen der Sozialschicht und der Ausländerstatus mit der Umweltbelastung zusammenhängen. 

Bibliographie:

Andreas Diekmann und Reto Meyer (2010): Demokratischer Smog? Eine empirische Untersuchung zum Zusammenhang zwischen Sozialschicht und Umweltbelastungen. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 62:437–457. DOI 10.1007/s11577-010-0108-z

 

 

Beitrag 3:

Energy Poverty as injustice: cold homes, capabilities and carbon mitigation 

 

 

Referent/in: Gordon Walker 
Organisation: Lancaster University

Abstract:

Bringing attention to energy, or fuel poverty as a distinct manifestation of inequality has asserted its place in the profile of contemporary rights and entitlements. As such, energy poverty can be understood as an expression of social and environmental injustice, involving the compromised capability to access a key resource and to secure a healthful living environment. In this paper, I consider how the discursive framing of energy poverty may be aligned to various alternative conceptualisations of social and environmental justice. To-date, most of the focus has been on a distinct element of distributive justice - how inequalities in access to affordable energy services are constituted and how they should be eradicated. However other understandings of justice are also implicated: addressing energy poverty involves seeking justice in terms of the cultural and political recognition of vulnerable and marginalised social groups and pursuing procedural justice through opening up involvement and influence in decision-making processes at different levels. I further argue that the necessary intertwining of these three conceptualisations of justice is being set, in a European context, within an increasingly charged and complex social framing, as carbon mitigation policies seek costly transformations of energy infrastructures and as neoliberal reforms sweep through both established energy provision and social welfare arrangements.

 
 

Plenumsveranstaltung B2: Praktiken der Integrationspolitik in Deutschland und in der Schweiz

Plenumsveranstaltung B2:
B2 – Praktiken der Integrationspolitik in Deutschland und in der Schweiz

 

Zeit: Donnerstag, 27.06.2013: 09.00 - 11.00
Ort: HG 106
Organisator/en: Dr. Tobias G. Eule 
Chair: Prof. Dr. Christian Joppke 

 

 

Beitrag 1:

Absorbieren, Eingliedern, Integrieren. Der Regierung einheimischer Ausländer auf der Spur. 

 

 

Referent/in: Esteban Piñeiro 
Organisation:

Hochschule für Soziale Arbeit, Fachhochschule Nordwestschweiz 

Abstract:

Der integrationspolitische Fachdiskurs ortet die Wurzeln des gegenwärtigen Integrationsregimes in der migrationspolitischen Erneuerungsphase der 1990er Jahre. Durch die öffentlichkeitswirksamen kantonalen Leitbilddiskussionen erfuhr das Postulat der Integration damals zwar einen enormen Bedeutungsschub. Übersehen wird dabei aber, dass die Logik der Ausländerintegration weiter zurückreicht. Das historische Verfahren der Genealogie führt uns zur Überfremdungspolitik der 1960/70er Jahre, obwohl sich die offizielle Integrationspolitik davon distanziert. In dieser Zeit stösst das bisherige Abwehrregime an seine Grenzen. Zum einen lässt sich der hohe „Ausländerbestand" nicht begrenzen und abbauen. Zum anderen wendet sich die eigene Bevölkerung gegen die geltende Ausländerpolitik und fordert ein restriktiveres Regime. In diesem Spannungsfeld entwickelt der Bund eine neue Strategie der Eingliederung, die bereits die wesentlichen Insignien des heutigen Integrationsprogramms aufweist. Im Zeichen der Überfremdungsabwehr taucht eine neue Qualität der Problematisierung auf, die den Ausländer zu Regulierungszwecken als „ganzen Menschen" begreift. Im Kampf gegen Überfremdung propagiert der Bund die Annäherung der Bevölkerungen. Die gesellschaftlichen Milieus werden politisch relevant gemacht und als Hauptzielscheibe der Eingliederungspolitik taucht weniger die ausländische, sondern vielmehr die eigene Bevölkerung auf. Die gegenwärtige Integrationspolitik wird diesen Steuerungsmodus perfektionieren und sich von der Überfremdung verabschieden. Sie wird sich einen politischen Horizont geben, dessen Konturen wir bereits Ende der 1960er Jahre entdecken: die Ermöglichung des Zusammenlebens.
Der Beitrag geht diesen historischen Verschiebungen in einem genealogischen Duktus nach und unternimmt im Anschluss an Foucault den Versuch einer gouvernementalen Relektüre der gegenwärtigen Integrationspolitik. 

Bibliographie:

Piñeiro, Esteban/Haller, Jane (2012): Learning to live together – Towards a new integration society. In: Bekerman, Zvi/Geisen, Thomas (Eds.): International Handbook of Migration, Minorities, and Education – Understanding Cultural and Social Differences in processes of Learning. Berlin: Springer, S. 85-100.

Piñeiro, Esteban (2011). Irritationen der Vielfalt. Fachliche Implikationen einer transkulturellen Öffnung der Verwaltung. In: Schweizerische Zeitschrift für Soziale Arbeit. 10. Jg. (1). S. 32-53.

Piñeiro, Esteban (2010): Das Phantasma der Integration. Fiebermessungen mit Terkessidis Interkultur. In: Widerspruch. Heft 59. S.63-72.

Piñeiro, Esteban/Eser Davolio, Miryam/Tov, Eva (2010). Die ""toten Winkel"" der Integrationsvereinbarung. Ungleichheitseffekte der schweizerischen Chancengleichheitspolitik. In: Migration und Soziale Arbeit. 32. Jg. (3/4). S. 203-209.

Piñeiro, Esteban/Bopp, Isabelle/Kreis, Georg (Hg.) (2009). Fördern und Fordern im Fokus: Leerstellen des schweizerischen Integrationsdiskurses. Zürich: Seismo Verlag.

 

 

Beitrag 2:

„Integration vor Ort – wo sonst?" – Zum Stand kommunaler Integrationspolitik in Deutschland 

 

 

Referent/in: Prof. Dr. Roland Roth 
Organisation:

Hochschule Magdeburg-Stendal 

Abstract:

Integrationspolitik hat sich im letzten Jahrzehnt in Deutschland zu einem eigenen kommunalen Handlungsfeld entwickelt. Dazu hat auch die späte Einsicht beigetragen, dass die Bundesrepublik eine Zuwanderungsgesellschaft ist. Mit dem Nationalen Integrationsplan haben 2007 die Gebietskörperschaften diese politische Gestaltungsaufgabe anerkannt und bekräftigt, dass Integration in erster Linie „vor Ort" stattfindet – oder scheitert. Dieser Beitrag informiert über Ergebnisse der ersten breit angelegten Studie, die den Stand der Umsetzung der Empfehlungen der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände in 228 Kommunen erhoben hat. Dabei wird deutlich, dass die Zahl der Kommunen, die einen strategischen Ansatz in der Integrationspolitik verfolgt, deutlich zugenommen hat. Allerdings ist die Situation in einzelnen Handlungsfeldern sehr unterschiedlich. Zudem gibt es ein deutliches Gefälle zwischen großen Städten und Gemeinden in ländlichen Regionen. 

Bibliographie:

Gesemann, Frank/Roth, Roland/Aumüller, Jutta: Stand der kommunalen Integrationspolitik in Deutschland, Berlin: BMVBS 2012

Roth, Roland: Bürgermacht. Eine Streitschrift für mehr Partizipation, Hamburg: edition Körber-Stiftung 2011 & Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung (Schriftenreihe Bd. 1229) 2011

Gesemann, Frank/Roth, Roland (Hrsg.): Lokale Integrationspolitik in der Einwanderungsgesellschaft. Migration und Integration als Herausforderung von Kommunen, Wiesbaden: VS-Verlag 2009

Roth, Roland/Rucht, Dieter (Hrsg.): Die sozialen Bewegungen in Deutschland seit 1945. Ein Handbuch, Frankfurt/New York: Campus 2008

Roth, Roland (mit Peter-Georg Albrecht, Roland Eckert, Caroline Thielen-Reffgen, Thomas Wetzstein): Wir und die anderen: Gruppenauseinandersetzungen Jugendlicher in Ost und West, Wiesbaden: VS-Verlag 2007

Roth, Roland/Olk, Thomas: Mehr Partizipation wagen. Argumente für eine verstärkte Beteiligung von Kindern und Jugendlichen, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung 2007

Roth, Roland: „Integration durch Partizipation – eine vernachlässigte Handlungsoption", in: vhw Forum Wohnen und Stadtentwicklung, 1 (4) 2012, S. 2-8

Roth, Roland: „Was kann das Quartier für die Integration von Zuwandern leisten? Anregungen aus einer Befragung von Kommunen", in: vhw Forum Wohnen und Stadtentwicklung, 6 (3) 2011, S. 295-300

 

 

Beitrag 3:

Willkommenskultur auf dem Prüfstand: Schweizer und Deutsche Ansätze im Vergleich 

 

 

Referent/in: Dr. Tobias G. Eule, und Jaromir Bregy, M.A. 
Organisation:

Universität Bern 

Abstract:

In Westeuropa zeichnet sich seit einigen Jahren ein Trend hin zu ziviler Integration ab, der gekennzeichnet ist durch zunehmend verpflichtende Sprach- und Integrationskurse für Zuwanderer, deren Besuch immer stärker an ausländerrechtliche Konsequenzen gekoppelt ist. In der Schweiz findet diese Entwicklung Ausdruck im Konzept „Fördern und Fordern". Ausgehend von Ausländergesetzgebung und Freizügigkeitsabkommen und gepaart mit einem ausgeprägten Föderalismus bilden sich kantonal und gar lokal unterschiedliche Integrationspraktiken heraus, weswegen der Schweizer Integrationspolitik des Öfteren mangelnde Kohärenz nachgesagt wird. Im Rahmen dieser Entwicklung beginnt sich stellenweise ein Konzept herauszubilden, welches unter dem Namen „Willkommenskultur" zusammengefasst werden könnte. Darunter wird hier ein bewusst offenes Konstrukt von Aufeinandertreffen von Staat und Zivilgesellschaft mit der ausländischen Bevölkerung verstanden. Integration beginnt in diesem Sinne bei einem Erstkontakt an ebendiesen Schnittstellen. Ähnliche Entwicklungen lassen sich für Deutschland feststellen: Viele Kommunen haben die Reform des Aufenthaltsgesetzes 2005 zum Anlass genommen, Organisationsstrukturen und öffentliche Selbstdarstellungen zu überdenken. Dies hat in einigen Fällen zur Proklamation des Wandels der Ausländerbehörden von „Ordnungsbehörden" zu „Integrationsämtern" geführt. Auch in Deutschland befassen sich die diversen kommunalen Ansätze mit der Frage nach „Willkommenskultur", ohne dass der Begriff klar definiert oder erläutert werden würde.

Wie gezeigt wird, deckt der Begriff „Willkommenskultur" eine Vielzahl unterschiedlich konkreter, institutionalisierter und ausgeprägter Konzepte ab. Das Anliegen dieser Analyse ist es, ebendiese Bestrebung auf dem Weg hin zu einer flächendeckenden „Willkommenskultur" durch einen Vergleich von acht unterschiedlichen Kantonen in der Schweiz und acht unterschiedlichen Kommunen in fünf verschiedenen deutschen Bundesländern fassbar zu machen. Diese lokalen Ansätze werden miteinander verglichen und gleichzeitig in einen hoheitsstaatlich forcierten Diskurs der Vereinheitlichung von Integrationspolitik eingeordnet. Weiter erlauben die verschiedenen Ausprägungen von Integrationsbemühungen nach wie vor Rückschlüsse auf unterschiedliche Auffassungen von Integration, die einerseits auf der Unbestimmtheit des Begriffs gründen, andererseits Zusammenhänge mit Urbanitätsgrad, Sprache, Ausländeranteil und Politik in den jeweiligen Kommunen haben können.

Bibliographie:

Eule, Tobias G. 2013. „Arbeitsteilung und verschwindende Verantwortlichkeit in der Fallsachbearbeitung" in T. Trappe (Hrsg) Ethik in der öffentlichen Verwaltung. Frankfurt am Main: Verlag für Polizeiwissenschaft.

Eule, Tobias G. 2013. Inside Immigration Law: Migration Management and Policy Application in Germany. Farnham: Ashgate.

 

Plenumsveranstaltung B3: Monetäre Mechanismen sozialer In- und Exklusion

Plenumsveranstaltung B3:
B3 – Monetäre Mechanismen sozialer In- und Exklusion

 

Zeit: Donnerstag, 27.06.2013: 09.00 - 11.00
Ort: UniS A022
Organisator/en: Axel Paul / Cornelius Moriz 
Chair: Axel Paul 

 

 

Beitrag 1:

Inklusion und Exklusion in der Geldwirtschaft

 

 

Referent/in: Cornelia Bohn 
Organisation:

Universität Luzern 

Abstract:

Armut und Reichtum sind in der Gegenwartsgesellschaft keine Themen der Wirtschaft mehr, sondern Themen der Sozialpolitik. Während die Inklusion der Armen im christlichen Europa lange über religiöse Semantiken und Institutionen bewerkstelligt wurde, wird sie seit dem 19. Jahrhundert über die zweigleisige Inklusion in die Politik (Staatsbürgerschaft und Sozial- bzw. wohlfahrtsstaatliche Leistungen) als „Armutsverhinderungsprogramm" umgesetzt. Die Inklusion der Reichen / Eigentum Besitzenden wurde lange Zeit über staatsbürgerliche Privilegien und Pflichten geregelt (Besitzindividualismus), mittlerweile ist Reichtum kein gesellschaftliches Inklusions- oder Exklusionskriterium mehr. Wenn man sich also in der Gegenwartsgesellschaft für die soziologische Beobachtung der Wirtschaft interessiert, interessiert man sich nicht für das Problem der Armut (oder das eher selten als Problem beschriebene Phänomen des Reichtums). Die Inklusions- und Exklusionsverhältnisse – so die These – folgen in der Gegenwartsgesellschaft der Eigenlogik der jeweiligen gesellschaftlichen Subsysteme und sind nicht streng integriert.
Die Frage des Panels „Welche theoretischen Implikationen sich aus der Zentralität des Geldes in der funktional differenzierten Gesellschaft für die soziologische Beschreibung und Erklärung sozialer In- und Exklusionsprozesse ergeben" soll Anlass sein, in einem ersten Schritt die Analytik der Inklusion und Exklusion selbst zu erläutern. Dabei soll kurz auf ihre Differenz zur Ungleichheitsforschung eingegangen werden. In einem zweiten Schritt soll das Problem erörtert werden, was das für die Inklusion und Exklusion in der modernen monetarisierten Wirtschaft heißt. Man könnte auch fragen: Was bedeutet das für die Inklusion in die Geldkommunikation? Eine Graduierung und Strukturierung des Inklusions- und Exklusionsgeschehens in der Wirtschaft lässt sich – so die These des Beitrags – genauer über die Unterscheidung von Zentrum, Semiperipherie und Peripherie einführen, die in dem Vortrag entfaltet werden soll.

Bibliographie:

Bohn, C. (2006): Inklusion, Exklusion und die Person, Konstanz: UVK.

Bohn, C.; Hahn, A. (2002): „Patterns of Inclusion and Exclusion. Property, Nation and Religion", in: Soziale Systeme, 8/2002, Nr. 1, S. 8-26.

Bourdieu, P. u.a. (1997): Das Elend der Welt. Zeugnisse und Diagnosen alltäglichen Leidens an der Gesellschaft, Konstanz: UKV.

Gestrich, A.; Lutz, R. (Hg.) (2004): Inklusion/Exklusion. Studien zu Fremdheit und Armut von der Antike bis zur Gegenwart, Frankfurt/M.: Lang.

Luhmann, N. (1995): „Inklusion und Exklusion", in: ders.: Soziologische Aufklärung 6. Die Soziologie und der Mensch, Opladen: Westdeutscher Verlag, S. 237-265.

Luhmann, N. (1997): Die Gesellschaft der Gesellschaft, 2 Bde., Frankfurt/M.: Suhrkamp.

Schwinn, T. (Hg.) (2004): Differenzierung und soziale Ungleichheit, Frankfurt/M.: Humanities Online.

Stichweh, R. (2005): Inklusion und Exklusion. Studien zur Gesellschaftstheorie, Bielefeld: Transcript.

 

 

Beitrag 2:

Inklusion in den Markt durch Gestaltung der gesellschaftlichen Ordnung 

 

 

Referent/in: Nils Goldschmidt und Alexander Lenger 
Organisation:

Universität Siegen, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Abstract:

Es erscheint nicht unplausibel, die Gerechtigkeit in modernen, funktional differenzierten Gesellschaften daran zu messen, inwiefern alle Mitglieder über die Möglichkeit verfügen, ein dem Standard der Gesellschaft angemessenes Leben zu führen. Da aber faktisch nicht allen Individuen die gleichen Ressourcen – etwa im Bildungssystem oder auf dem Arbeitsmarkt – zur Verfügung stehen, reicht es politisch nicht aus, lediglich gleiche formale Rechte zu fordern. Vielmehr ist es notwendig, diese formale Rechtsgleichheit mit der Forderung nach Inklusion, d.h. mit dem Anliegen einer Teilhabe- bzw. Beteiligungsgerechtigkeit zu verknüpfen. Hiermit kommen die Mechanismen des Marktes und monetäre Mechanismen ins Spiel. Denn Teilhabe wird in kapitalistischen Gesellschaften insbesondere durch zwei Faktoren ermöglicht. Zum einen wird in arbeitsteiligen Wirtschaftsordnungen eine angemessene Qualifikation benötigt – vermittelt durch Primär- (Elternhaus) und Sekundärsozialisation (Bildungswesen) –, welche den beteiligten Individuen als Produzenten ihrer Arbeitskraft die nötige Wettbewerbsfähigkeit im Marktprozess verschafft. Zum anderen müssen eine angemessene soziale Sicherung und eine Vermögens- bzw. Einkommensverteilung realisiert werden, die eine Teilnahme am Marktprozess als Konsument sicherstellt und die nötige Ausstattung mit Mitteln auf der Nachfrageseite gewährleistet. Eine Politik der Inklusion muss demnach zunächst darauf ausgerichtet sein, gesellschaftliche Teilhabe durch marktwirtschaftliche Teilhabe zu verwirklichen. Ein regelmäßiges, angemessenes Einkommen ermöglicht für einen Großteil der Gesellschaft selbstständig vollwertiger Teil der Marktgesellschaft zu sein. Zugleich ist es aber auch eine unübersehbare Tatsache, dass nicht alle gesellschaftlichen Statusgruppen – wie z. B. Kinder, Alte, Kranke und zunehmend auch Niedrig- und Unqualifizierte – hierzu nicht bzw. nur noch eingeschränkt in der Lage sind. Folglich sind sozialpolitische Maßnahmen als substantieller, integraler Bestandteil moderner kapitalistischer Gesellschaften zu verstehen.

Bibliographie:

Blümle, G./ Goldschmidt, N. (2004): „Sozialpolitik mit dem Markt. Sozialstaatliche Begründung und wirtschaftliche Ordnung", in: Die Neue Ordnung, Jg. 58/Heft 3, S. 180-193.

Buchanan, J. M. (1975): The Limits of Liberty. Between Anarchy and Leviathan, Indianapolis: Liberty Fund (The Collected Works of James M. Buchanan, Volume 7).

Bude, H./ Willisch, A. (Hrsg.) (2006): Das Problem der Exklusion. Ausgegrenzte, Entbehrliche, Überflüssige, Hamburg: Hamburger Edition.

Erhard, L. (1957/2000): Wohlstand für Alle, Düsseldorf: Econ-Verlag.

Eucken, W. (1952/2004): Grundsätze der Wirtschaftspolitik, 7. Auflage, Tübingen: Mohr Siebeck.

Fuchs-Goldschmidt, I./ Goldschmidt, N. (2010): „Inklusion als Zielpunkt einer modernen Sozialpolitik", in: Zeitschrift für Wirtschaftspolitik, Jg. 59/Heft 1, 62-76.

Kaufmann, F.-X. (2009): Sozialpolitik und Sozialstaat. Soziologische Analysen, 3., erw. Aufl., Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Luhmann, N. (1995): „Inklusion und Exklusion", in: Ders.: Die Soziologie und der Mensch, Opladen: Westdeutscher Verlag, 237-265.

Marshall, T. H. (1949/1963): "Citizenship and Social Class", in: Ders.: Sociology at the crossroads and other essays, London: Heinemann.

Sen, A. (2007): Ökonomie für den Menschen. Wege zu Gerechtigkeit und Solidarität in der Marktwirtschaft, 4. Aufl., München: Deutscher Taschenbuch Verlag.

 

 

Beitrag 3:

Sozial ist, was Arbeit schafft? 

 

 

Referent/in: Cornelius Moriz 
Organisation:

Universität Basel

Abstract:

In einem Streitgespräch mit dem ehemaligen Bundesratssprecher Oswald Sigg (SP), Mitglied des Initiativkomitees der Eidgenössischen Volksinitiative „Für ein bedingungsloses Grundeinkommen", äußerte der ebenfalls sozialdemokratische Gewerkschaftspolitiker und Nationalrat Corrado Pardini jüngst die Ansicht, daß die Würde des Menschen wesentlich von der Erwerbsarbeit abhänge. Sie, so Pardini, bringe die Integration in die Gesellschaft, während durch ein bedingungsloses Grundeinkommen die leistungslos alimentierten Nicht-Erwerbstätigen endgültig von der produktiven Mehrheitsgesellschaft abgeschrieben würden. Ist demnach also sozial, was Arbeit schafft? Jedenfalls scheint diese Überzeugung in der europäischen Parteienlandschaft von links bis rechts nach wie vor zu dominieren, was sich, noch deutlicher als andernorts, an den sogenannten Hartz-Reformen der bundesdeutschen Regierung Schröder (SPD) und den damit verbundenen Bemühungen, die Arbeitslosigkeit um nahezu jeden Preis zu senken, exemplarisch demonstrieren läßt. Die zu diskutierende Frage ist allerdings, ob die hinter solchen erwerbszentrierten politischen Strategien steckenden Vorstellungen von den Mechanismen sozialer In- und Exklusion unter den spezifischen Bedingungen der kapitalistischen Moderne realitätsadäquat sind oder ob das sozialintegrative Potential der Erwerbsarbeit nicht doch überschätzt wird. Eine von erwerbsethischen Voreingenommenheiten freie Analyse der gesellschaftlichen In- und Exklusionsmechanismen scheint dabei eher letzteres nahezulegen und führt zu der gegenläufigen These, daß das lohnarbeitsfixierte Integrationsmodell auf einem teilweise durchaus kontraproduktiven Mißverständnis bezüglich der sozialinklusiven Effekte einer Erwerbsarbeit einerseits sowie eines – wie immer erzielten – Geldeinkommens andererseits beruht, sodaß in der Konsequenz eher Prekarität und Erwerbsarmut statt sozialer Teilhabe gefördert werden. Diese These soll im Vortrag genauer entfaltet werden, wobei die sozialpolitischen Implikationen und Folgen besondere Berücksichtigung finden. 

Bibliographie:

Bude, H.; Willisch, A. (Hg.) (2008): Exklusion. Die Debatte über die Überflüssigen, Frankfurt/M.: Suhrkamp.

Bundesregierung (2008): Lebenslagen in Deutschland. Dritter Armuts- und Reichtumsbericht. Unterrichtung durch die Bundesregierung, Deutscher Bundestag, Drucksache 16/9915, Berlin.

Castel, R.; Dörre, K. (Hg.) (2009): Prekarität, Abstieg, Ausgrenzung. Die soziale Frage am Beginn des 21. Jahrhunderts, Frankfurt/M. / New York: Campus.

Deutschmann, C. (2009): „Geld als universales Inklusionsmedium moderner Gesellschaften", in: R. Stichweh, P. Windolf (Hg.): Inklusion und Exklusion. Analysen zur Sozialstruktur und sozialen Ungleichheit, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 223-239.

Kronauer, M. u.a. (1993): Im Schatten der Arbeitsgesellschaft. Arbeitslose und die Dynamik sozialer Ausgrenzung, Frankfurt/M. / New York: Campus.

Luhmann, N. (2008): „Inklusion und Exklusion", in: Ders.: Soziologische Aufklärung 6. Die Soziologie und der Mensch, 3. Aufl., Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 226-251.

Paul, A. (2004): Die Gesellschaft des Geldes. Entwurf einer monetären Theorie der Moderne, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Scherschel, K. u. a. (Hg.) (2012): Neue Prekarität. Die Folgen aktivierender Arbeitsmarktpolitik – europäische Länder im Vergleich, Frankfurt/M. / New York: Campus.

Schimank, U. (2009): „Die Moderne: eine funktional differenzierte kapitalistische Gesellschaft", in: Berliner Journal für Soziologie, Jg. 19, Nr. 3, S. 327-351.

Vobruba, G. (Hg.) (2007): Entkoppelung von Arbeit und Einkommen. Das Grundeinkommen in der Arbeitsgesellschaft, 2. erw. Aufl., Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

 

Plenumsveranstaltung B4: Eliten- und Unterschichtenmedien: Abschichtung und Segmentierung der ...

Plenumsveranstaltung B4:
B4 – Eliten- und Unterschichtenmedien: Abschichtung und Segmentierung der Öffentlichkeit

 

Zeit: Donnerstag, 27.06.2013: 09.00 - 11.00
Ort: HG 101
Organisator/en: Mark Eisenegger 
Chair: Dr. Patrik Ettinger

 

 

Beitrag 1:

Abschichtung und Segmentierung der Öffentlichkeit 

 

 

Referent/in: Kurt Imhof, Esther Kamber 
Organisation:

Universität Zürich 

Abstract:

Ein für das Jahrbuch „Qualität der Medien – Schweiz Suisse Svizzera" (fög 2012) erstelltes Forschungsprojekt erlaubt es, die wesentlichen Qualitätsmerkmale des Informationsjournalismus, die Relevanz, die Vielfalt und die Einordnungsleistungen des Informationsjournalismus aller Mediengattungen (Presse, Radio, TV, Online), der Medientypen (z.B. Abonnements- oder Sonntagszeitungen) und der einzelnen Medientitel in einem Scoring zu hierarchisieren. Dieses Scoring der wichtigsten Informationsmedien aller Gattungen der drei grossen Sprachregionen der Schweiz auf der Basis einer Inhaltsanalyse der Frontseiten zeigt für das Jahr 2011 eine abgeschichtete und fragmentierte schweizerische Medienlandschaft. Darüber hinaus zeigt der Vergleich mit den am meisten verbreiteten Mediengattungen, -typen und -titeln des Jahres 2001, dass sich die Abschichtung und Fragmentierung in dieser Zeitspanne massiv verstärkt hat (fög 2012, 21-45). Allein in der Gattung Presse hat sich durch die Gratiszeitungen das einst klar auf den Typ Boulevardpresse begrenzte Segment des Boulevardjournalismus seit der Jahrtausendwende verdoppelt. ‚Boulevard' ist zum publizistischen Mainstream geworden, während der öffentlichen Rundfunk und die Abonnementszeitungen an Publikum verlieren und letztere zusätzlich unter Verkaufs- und Werbeeinbussen leiden. Unter demokratietheoretischen Gesichtspunkten ist dieser Befund beunruhigend. Es besteht die Gefahr, dass sich die Krise der Geschäftsmodelle der qualitätshöheren Kaufmedien über Kohorteneffekte verstärken und das Informationsgefälle zwischen Bildungs- sowie Funktionseliten und der Basis der Bevölkerung zunehmen wird. In politischer Hinsicht verbessert dies die Opportunitätsstrukturen von populistischen Akteuren, deren medienwirksame Aktionsformen und Kampagnen auch in qualitätsniedrigen Medien Resonanz finden. Im vorgesehenen Beitrag werden diese Beziehungen für die Medienarena Schweiz aufgezeigt. 

Bibliographie:

Luhmann, Niklas. 2004. Die Realität der Massenmedien. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

fög – Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft/Universität Zürich. 2012. Jahrbuch Qualität der Medien 2012 – Schweiz Suisse Svizzera. Basel: Schwabe Verlag.

Imhof, Kurt. 2011. Die Krise der Öffentlichkeit. Kommunikation und Medien als Faktoren des sozialen Wandels. Frankfurt a.M.: Campus.

Habermas, Jürgen. 1992. Faktizität und Geltung. Beiträge zur Diskurstheorie des Rechts und des demokratischen Rechtsstaats, Frankfurt/M.: Suhrkamp.

 

 

Beitrag 2:

Abschichtung der öffentlichen Kommunikation durch Onlinemedien 

 

 

Referent/in: Mark Eisenegger, Mario Schranz 
Organisation:

Universität Zürich 

Abstract:

Die öffentliche Kommunikationsstruktur ist seit geraumer Zeit einem Trend der Abschichtung ausgesetzt, d.h. qualitätsniedrige Medientypen sind im Vormarsch. Zur Abschichtung medienöffentlicher Kommunikation tragen unter anderem die Onlinemedien bei, weil erstens die Nutzungsrate der Informationsangebote im Internet seit der Jahrtausendwende insbesondere bei den jüngeren Alterskohorten stark und kontinuierlich wächst (Haas / Brosius 2013) und zweitens der Online-Informationssektor mit Blick auf die reichweitenstarken Newssites durch erhebliche Qualitätsmängel gekennzeichnet ist. Verantwortlich für diese Qualitätsdefizite im Online-Mediensektor sind unter anderem die Gratiskultur und die damit verbundene Ressourcenschwäche, die Favorisierung von Unterhaltungsformaten als Folge der Orientierung an Themen, die am meisten angeklickt werden sowie der hohe Aktualitätsdruck, der zu einer Vernachlässigung rechercheintensiver Beitragsformate führt. Unser Beitrag wird auf der Basis eigener empirischer Erhebungen den Bedeutungszuwachs der Online-Informationsmedien sowie die korrelative Qualitätsschwäche aufzeigen. Weiter wird danach gefragt, was diese wachsende Ungleichheit zwischen nutzungsstarken aber qualitätsschwachen Onlinemedien und an Nutzung verlierenden, qualitätsbesseren Medien für gesellschaftliche Folgen zeitigt. Von Bedeutung ist hier unter anderem, dass durch die wachsende Kluft zwischen einem nach wie vor relativ gut informierten, älteren und gut gebildeten Publikum und einem Massenpublikum, das zunehmend stärker qualitätsmindere Informationsangebote im Internet konsumiert, die gesellschaftliche Integration zwischen „Alten" und „Jungen" erschwert wird. Mit Blick auf die mittel- langfristig weiter zunehmende Onlinenutzung durch nachwachsende Generationen, die ausschliesslich via Online-Informationsangebote sozialisiert wurden, werden zudem in dem Mass politische Desintegrationstendenzen wahrscheinlich, wie im Onlinesektor apolitische Inhalte dominieren.

Bibliographie:

fög – Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft/Universität Zürich. 2012. Jahrbuch Qualität der Medien 2012 – Schweiz Suisse Svizzera. Basel: Schwabe Verlag.

fög – Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft/Universität Zürich. 2012. Jahrbuch Qualität der Medien 2011 – Schweiz Suisse Svizzera. Basel: Schwabe Verlag.

fög – Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft/Universität Zürich. 2012. Jahrbuch Qualität der Medien 2010 – Schweiz Suisse Svizzera. Basel: Schwabe Verlag.

Haas, Alexander; Brosius, Hans-Bernd. 2013. Fragmentierung der Publikumsagenda im Zeitverlauf? In. Kurt Imhof, Roger Blum, Heinz Bonfadelli und Otfried Jarren (Hg.). Stratifizierte und segmentierte Öffentlichkeit. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. S. 187–202.

Imhof, Kurt. 2011. Die Krise der Öffentlichkeit. Kommunikation und Medien als Faktoren des sozialen Wandels. Frankfurt am Main/News York: Campus.
Jäckel, Michael (Hg.). 2005. Mediensoziologie. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

 

 

Beitrag 3:

Wird der Boulevardjournalismus zum Mainstream? Medienstrukturen und Medieninhalte im Länder- und im Zeitvergleich 

 

 

Referent/in: Linards Udris, Jens Lucht 
Organisation:

Universität Zürich 

Abstract:

Im Zentrum des Beitrags steht eine empirische Analyse zum Wandel sowohl von Medienstrukturen als auch Medieninhalten im Ländervergleich. Untersucht werden insgesamt fünf Länder, die zu je einem der drei von Hallin/Mancini (2004) entwickelten „Modelle von Medien und Politik" gehören: Schweiz, Deutschland, Österreich (demokratisch-korporatistisches Modell), Grossbritannien (liberales Modell) und Frankreich (polarisiert-pluralistisches Modell). Dies erlaubt es, die Verbreitung der eher von „Unterschichten" genutzten Boulevardpresse – im Vergleich zur Forumspresse und zur stärker von „Eliten" genutzten Qualitätspresse im Vergleich zwischen Pressesystemen zu analysieren. Resultate der Analyse zeigen, dass der Prozess der „Entbettung" der Medien, d.h. der Entkoppelung der Medienorganisationen von politischen und gesinnungsethischen Trägern, in den Kleinstaaten Österreich und Schweiz sich später, aber dann mit höherer Geschwindigkeit vollzieht als in Frankreich, Deutschland und vor allem Grossbritannien. Ebenfalls ist die Zunahme von Boulevardmedien ein Phänomen, das besonders Österreich und noch einmal verstärkt die Schweiz betrifft. Dieses tritt zwar nicht erst mit der aktuellen ökonomischen Krise auf, wird aber durch die zu Beginn des 21. Jahrhunderts einsetzende Krise der Geschäftsmodelle der Medien akzentuiert (u.a. wegbrechende Inserate wegen Konkurrenz des Internet und der Gratiszeitungen). Auf der Ebene der Medieninhalte weisen die Ergebnisse darauf hin, dass die (verbliebenen, stark an Reichweite verlierenden) Qualitätsmedien nicht zwingend an Qualität einbüssen, sondern dass vor allem die (regionale) Forumspresse bestimmte Boulevardisierungstendenzen zeigt. Zusammen genommen lässt sich bilanzieren, dass die (Ab-)Schichtung der Medien ein Phänomen ist, das sich zwar in allen untersuchten Ländern zeigt, aber gerade für die Schweiz vergleichsweise neu ist und sie in dieser Hinsicht vor grosse Herausforderungen stellt.

Bibliographie:

Curran, James. 2011. Media and democracy. London: Routledge.

Hallin, Daniel C. / Paolo Mancini. 2004. Comparing Media Systems. Three models of media and politics. Cambridge: Cambridge University Press.

Imhof, Kurt. 2011. Die Krise der Öffentlichkeit. Kommunikation und Medien als Faktoren des sozialen Wandels. Frankfurt am Main: Campus.

Strömbäck, Jesper. 2008. ""Four Phases of Mediatization. An Analysis of the Mediatization of Politics."" The International Journal of Press/Politics 13 (3): 228–46.

Udris, Linards / Jens Lucht. 2011. ""Qualitätsmedien in Pressesystemen. Wandel der Medienstrukturen gleich Wandel der Medieninhalte?"" In Krise der Leuchttürme öffentlicher Kommunikation – Vergangenheit und Zukunft der Qualitätsmedien, hg. von Roger Blum, Heinz Bonfadelli, Kurt Imhof, und Otfried Jarren. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 151–76.

 

 

Beitrag 4:

Das Prekariat des Schweizer Journalismus 

 

 

Referent/in: Guido Keel, Vinzenz Wyss 
Organisation:

Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften 

Abstract:

Im Schweizer Journalismus vollzieht sich in den letzten Jahren ein fundamentaler Wandel, dessen Konsequenz der verstärkte Trend hin zu konvergenten Produktions- und Publikationsformen, sowie damit verbunden ein Bedeutungsgewinn des Online-Kanals, ist. In der wissenschaftlichen Literatur wird dabei unter anderem die Besorgnis zum Ausdruck gebracht, dass sich entsprechende Redaktionsumbrüche letztlich negativ auf die journalistische Qualität auswirken (vgl. Beck et al. 2010: 243f.; Blöbaum 2008: 127). Im Beitrag wird argumentiert, dass dieser Wandel zu einer Prekarisierung des Schweizer Journalismus führt. Dieser äussert sich in mindestens drei Dimensionen: 1) verringerte soziale Sicherheit, 2) erschwerte Arbeitsbedingungen, und 3) geringer Professionalisierungsgrad. Wie gezeigt werden kann, entstehen im Rahmen der zunehmenden Medienkonvergenz nicht nur Konflikte zwischen den verschiedenen Segmenten des Berufsfelds, die Situation des Journalismus verschlechtert sich auch insgesamt, was die Leistungsfähigkeit des Journalismus in der Gesellschaft gefährdet. Als Referenz für die Beschreibung prekärer journalistischer Arbeitsverhältnisse wird im Beitrag auf zwei Untersuchungen zurückgegriffen. Bei der ersten Untersuchung stammen die Daten aus einer umfassenden, quantitativen Längsschnittstudie (schriftliche Befragung von Journalisten; Primäranalyse). Es handelt sich dabei um Individual- und (daraus gebildete) Aggregatdaten aus den Jahren 1998 (N=2020; Marr et. al 2001) und 2008 (N= 2509; Keel 2011). Herangezogen wird zudem eine im Auftrag des BAKOM 2010 durchgeführte qualitative Studie (48 qualitative Interviews) zum Einfluss des Internets auf die redaktionelle Arbeit. Sie gibt Aufschlüsse darüber, wie Trends der Medienkonvergenz in den Redaktionen von unterschiedlichen Rollenträgern erlebt und bewertet werden (Keel/Wyss 2012). 

Bibliographie:

Altmeppen, Klaus-Dieter. 2006.Journalismus und Medien als Organisationen. Leistungen, Strukturen und Management. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Beck, Klaus/Reineck, Dennis/Schubert, Christiane. 2010. Journalistische Qualität in der Wirtschaftskrise. Konstanz: UVK.

Blöbaum, Bernd. 2008.„Wandel redaktioneller Strukturen und Entscheidungsprozesse". In: Bonfadelli, Heinz; Imhof, Kurt; Blum, Roger &Jarren, Otfried (Hrsg.): Seismographische Funktion von Öffentlichkeit im Wandel. Mediensymposium Luzern. Band 10.
WiesbadenVS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 119-129.

Giddens, Anthony. 1997 [1984].Die Konstitution der Gesellschaft. Grundzüge einer Theorie der Strukturation. 3. Aufl.; deutsche Übersetzung der englischen Originalausgabe „The Constitutionof Society". Cambridge 1984. Frankfurt u.a.: Campus.

Keel, Guido. 2011.Journalisten in der Schweiz. Eine Berufsfeldstudie im Zeitverlauf.Konstanz: UVK.

Keel, Guido/Wyss, Vinzenz. 2012.„Journalistische Praxis im Internet". In: Leonarz, Martina (Hrsg.) Im Auftrag des BAKOM. Aktuelle Studien zur Leistungsfähigkeit von Presse, Radio und Fernsehen in der Schweiz.SwissGIS. Zürich. S. 89-105.

Marr, Mirko/Wyss, Vinzenz/Bonfadelli, Heinz/Blum, Roger (2001): Journalisten in der Schweiz. Eigenschaften, Einstellungen, Einflüsse. Konstanz: UVK.

Wyss, Vinzenz/Keel, Guido. 2008.„Die Suchmaschine als Danaer-Geschenk: Zur strukturellen Gewalt der ‚Googleisierung' des Journalismus". In: Quandt, Thorsten/Schweiger, Wolfgang (Hrsg.): Journalismus online - Partizipation oder Profession? Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 61-75.

 

Plenumsveranstaltung B5: La jeunesse en temps de crise. De catégorie dangereuse à catégorie à ...

Plenumsveranstaltung B5:
B5 – La jeunesse en temps de crise. De catégorie dangereuse à catégorie à problèmes ?

 

Zeit: Donnerstag, 27.06.2013: 09.00 - 11.00
Ort: HG 114
Organisator/en: Tabin Jean-Pierre, Bonvin Jean-Michel, Bickel Jean-François, Bühlmann Félix 
Chair: Bühlmann Félix 

 

 

Beitrag 1:

La citoyenneté sociale au prisme de l'âge 

 

 

Referent/in: Lima Léa 
Organisation:

Conservatoire National des Arts et Métiers 

Abstract:

La catégorie de jeunesse est présente dans bon nombre d'État-providence. Les jeunes font toujours l'objet d'une attention particulière qui aboutit à leur réserver des droits sociaux modulés par rapport aux adultes. Mais au-delà de cette commune institutionnalisation des catégories d'âge, les justifications à de tels traitements de (dé)faveur divergent. Cette contribution s'attachera tout d'abord à différencier analytiquement les statuts de la jeunesse dans différents paradigmes de la solidarité publique.
Puis dans un second temps, il s'agira de comprendre les conséquences de l'activation de l'État social sur l'accès aux droits sociaux pour les jeunes adultes en France. On pourra alors constater qu'à la fin des années 1980, nous sommes passés d'une protection sociale des jeunes précaires sous emprise éducative (le learnfare) à une incitation au travail des jeunes privés peu à peu de droits sociaux protecteurs (workfare). Les jeunes se voient donc appliquer le paradigme de la « responsabilisation » des bénéficiaires des prestations sociales sans être prestataires eux-mêmes. Les jeunes entre 18 et 25 ans ont perdu au début des années 1990 le peu de droits subjectifs qui leur avaient été accordés dans les années 1960. Toujours articulées aux techniques d'incitation, les politiques sociales de jeunesse se sont toutefois déplacées d'une conception économique et collective de l'investissement à une vision morale et individuelle de l'engagement. Cette jeunesse précaire est donc placée sous dépendance locale des professionnels de l'insertion qui font et défont la citoyenneté sociale des jeunes au gré de leurs décisions d'orientation et d'octroi d'aides, mais toujours « pour leur bien ».
La communication s'appuie sur un travail d'analyse socio-historique des politiques sociales de jeunesse en France d'une part et sur 3 ans d'enquête ethnographique dans des commissions d'attribution du fonds d'aide aux jeunes, une aide sociale à destination des jeunes entre 18 et 25 ans. 

Bibliographie:

Becquet Valérie, Loncle Patricia, Van de Velde Cécile, 2012. Les politiques de jeunesse en France : au delà des mots, Paris: Champ social Editions.

Guillemard, Anne-Marie (dir.), 2008. Où va la protection sociale ? Paris : PUF.

Labadie Francine (dir.), 2012. Inégalités entre jeunes sur fond de crise. Rapport de l'Observatoire de la jeunesse 2012. Paris : La Documentation française.

 

 

Beitrag 2:

Inégalités, vulnérabilités et régulation de projets de vie des jeunes : Une approche psychosociale 

 

 

Referent/in: Staerklé Christian (avec Alain Clémence, Véronique Eicher, Mouna Bakouri et Marlène Carvalhosa Barbosa, PRN LIVES IP 9, Faire face à des événements critiques au début de l'âge adulte: une approche normative de la vulnérabilité et des régulations au cours du parcours de vie). 
Organisation:

Université de Lausanne

Abstract:

La présente contribution analyse la régulation psychosociale des transitions de vie dans différentes populations de jeunes entre 16 et 30 ans. Elle articule une approche sociologique des parcours de vie avec des perspectives psychosociales centrées sur la motivation individuelle et des dynamiques collectives d'appartenance et d'identification sociale (Berzonsky, 1990 ; Eccles, 2009 ; Salmela-Aro, 2009).
Les résultats proviennent d'une étude longitudinale réalisée dans le cadre du PRN LIVES : Surmonter la vulnérabilité : Perspective du parcours de vie. Trois populations distinctes en termes de position sociale et d'intégration dans le marché du travail sont interrogées à intervalles réguliers: des apprentis et des pré-apprentis (N = 136), des élèves d'un collège préparant à la maturité (N = 340) et les apprentis et jeunes employés (16-30 ans) de la ville de Lausanne (N = 230).
Les résultats montrent que l'appartenance à des groupes défavorisés (par ex. immigrants) est liée à une plus grande exposition aux facteurs de stress et aux événements de vie négatifs de même qu'à une plus forte perception de barrières pour la réalisation des projets de vie (Lorenzi-Cioldi, 2010; Turner, Wheaton, & Lloyd, 1995). Ils montrent également que la perception de la perméabilité de barrières dépend des définitions individuelles et collectives du soi, soulignant ainsi l'importance de processus collectifs dans la régulation des transitions.
Les résultats sont discutés en fonction de la tension entre la liberté des jeunes à construire leurs parcours de vie et les inégalités sociales qui conditionnent les ressources matérielles, sociales et psychologiques nécessaires pour une telle construction (Boltanski & Chiapello, 1999; Csikszentmihalyi & Schneider, 2000). La conclusion mettra en évidence les bénéfices et les limites d'une approche holistique et pluridisciplinaire des parcours de vie (Elder, 1998) qui pose à la fois un regard sociologique et psychologique sur la jeunesse d'aujourd'hui. 

Bibliographie:

Béroud, G. & Müller, R. (1985). La jeunesse n'est plus ce qu'elle n'a jamais été. Les cahiers médico-sociaux, 29, 69-73.

Berzonsky, M.D. (1990). Self‐construction over the life‐span: A process perspective on identity formation. In G.J. Neimeyer & R.A. Neimeyer (Eds.), Advances in personal construct psychology (Vol. 1, pp. 155–186). Greenwich, CT : JAI.

Blustein, D. L., Chaves, A. P., Diemer, M. A., Gallagher, L. A., Marshall, K. G., Sirin, S., et al. (2002). Voices of the forgotten half: The role of social class in the school-to-work transition. Journal of Counseling Psychology, 49(3), 311-323.

Boltanski, L. & Chiapello, E. (1999). Le nouvel esprit du capitalisme. Paris : Gallimard.

Csikszentmihalyi, M. & Schneider B. (2000). Becoming adult. How teenagers prepare for the world of work. New York : Basic Books.

Eccles, J. (2009). Who am I and what am I going to do with my life? Personal and collective identities as motivators of action. Educational Psychologist, 44(2), 78-89.

Elder, G. H. (1998). The life course as developmental theory. Child development, 69(1), 1-12.

Lorenzi-Cioldi, F. (2010). Dominants et dominés. Les identités collectives des collections et des agrégats (2ème édition). Grenoble : Presses Universitaires de Grenoble.

Salmela-Aro, K. (2009). Personal goals and well-being during critical life transitions: The four C's—Channelling, choice, co-agency and compensation. Advances in Life Course Research, 14(1-2), 63-73.

Turner, R. J., Wheaton, B., & Lloyd, D. A. (1995). The epidemiology of social stress. American Sociological Review, 60, 104-125.

 

 

Beitrag 3:

Les conséquences sociales de l'utilisation de la catégorie « jeunes en difficulté » 

 

 

Referent/in: Tabin Jean-Pierre (avec Anne Perriard, PRN LIVES IP5, Surmonter la vulnérabilité face au chômage: possibilités et limites des politiques sociales dites «actives») 
Organisation:

HES•SO et Université de Lausanne 

 

Abstract:

La catégorie « jeunes en difficulté » est fréquemment mobilisée par le politique depuis la crise. L'usage généralisé de cette catégorie repose sur une représentation linéaire et androcentrée du parcours de vie (enfance-formation-emploi-retraite) (Levy, Gauthier, & Widmer, 2006) qui, en subsumant des univers sociaux très différents dans des catégories chronologiques (Bourdieu, 1984), tend à nier l'importance des rapports de genre, de race et de classe dans la production des inégalités sociales.
À partir de données originales recueillies dans le cadre du NCCR Lives, nous allons dans un premier temps tenter de comprendre ce que recouvre l'usage par le politique de la catégorie « jeunesse » (Tabin & Togni, 2013) en montrant qu'il repose sur deux postulats, l'un social, fondé sur le fait que cette classe d'âge serait la première victime du chômage, l'autre, moral, fondé sur le fait que tout chômage de cette classe d'âge serait un problème. Nous montrerons que le terrain de controverses politiques autour de ces postulats est bien délimité (Bourdieu, 2012) et qu'il touche essentiellement l'imposition ou non de mesures, tandis que l'accord est parfait en ce qui concerne la catégorie elle-même.
Dans un deuxième temps, nous allons nuancer ce propos à partir d'une analyse des discours des professionnel•e•s concernant la mise en œuvre des mesures proposées à cette catégorie de l'intervention publique, notamment des leurs critiques par rapport au dispositif (Boltanski, 2009) récoltées à travers les situations-type (ou emblématiques) que nous leur avons demandé de produire.
Nous montrerons enfin que le déni des catégories sociales sur lequel repose la politique vis-à-vis des « jeunes en difficulté » vient renforcer les hiérarchies sociales, car elle fait porter sur les personnes qui sont dans l'impossibilité de s'insérer professionnellement la responsabilité de leur échec. C'est une violence sociale clairement ressentie par les jeunes que nous avons interrogé•e•s. 

Bibliographie:

Boltanski, Luc. 2009. De la critique : précis de sociologie de l'émancipation. Paris : Gallimard.

Bourdieu, Pierre. 1984. La « jeunesse » n'est qu'un mot. Entretien avec Anne-Marie Métailié. In P. Bourdieu (Éd.), Questions de sociologie (pp. 143-154). Paris : Minuit.

Bourdieu, Pierre. 2012. Sur l'État. Cours au Collège de France 1989-1992. Paris : Raisons d'agir/Seuil.

Levy, René, Gauthier, Jacques-Antoine, & Widmer, Eric. 2006. Entre contraintes institutionnelle et domestique : Les parcours de vie masculins et féminins en Suisse. The Canadian Journal of Sociology, 31(4), 461-489.

Tabin, Jean-Pierre & Togni, Carola. (2013). L'assurance chômage en Suisse. Une socio-histoire (1924-1982). Lausanne : Antipodes.

 

Plenumsveranstaltung B6: Inequality and Precariousness in Times of Crisis: Dynamics and ...

Plenumsveranstaltung B6:
B6 – Inequality and Precariousness in Times of Crisis: Dynamics and Comparative Perspectives

 

Zeit: Donnerstag, 27.06.2013: 09.00 - 11.00
Ort: HG 120
Organisator/Chair: Prof. Christian Suter 
Discussant: Prof. Serge Paugam

 

 

Beitrag 1:

The Globalization of Inequality since 1970: Diffusion or Imposition? 

 

 

Referent/in: Dr. Salvatore Babones 
Organisation:

University of Sydney 

Abstract:

Since 1970 income inequality has been stable or rising in nearly every country in the world, but it has risen at different rates and in different periods in different places. This suggests the globalization, skills premium, and technological change explanations that prevail in the economics literature are incorrect, since all of these processes should in principle have relatively uniform global impacts. Instead, the timing and geo-cultural patterns of rising inequality bear the hallmarks of a diffusion model. Inequality has not arisen simultaneously around the world; it has ""spread"" from country to country in a recognizable and sensible pattern.
In the United States, income inequality declined for a century until 1970. Since roughly 1968-1973 inequality in America has risen dramatically. The first countries outside America to experience rising inequality were those with the closest cultural times to the US: first Canada (mid-1970s), then the UK (1980), then Australia and New Zealand (mid-1980s). Only later did inequality begin to rise in continental Europe and Japan. Within these regions the countries to experience rising inequality first were the Netherlands, Switzerland, and the Scandinavian countries, with France, Germany, and Japan only succumbing in the mid-2000s.
A key question is whether this diffusion been motivated by the emulation of (perceived) successful models, as suggested by the world society (Meyer et al 1997) understanding of globalization, or imposed by systemic forces, as suggested by the world-systems (Wallerstein 1974) understanding of globalization. Nearly every country in the world for which data are available can be identified as a clear example either of the direct diffusion or of the direct imposition of a high-inequality economic model. Unfortunately, it is not clear whether or not mechanisms exist through which the trend toward higher inequality can be reversed. 

Bibliographie:

Harvey, David. 2005. A Brief History of Neoliberalism. New York: Oxford University Press.

Kuznets, Simon. 1955. "Economic Growth and Income Inequality." American Economic Review, 45: 1-28.

Meyer, John W., John Boli, George M. Thomas, and Francisco O. Ramirez. 1997. "World Society and the Nation-State." American Journal of Sociology, 103:144-181.

OECD. 2008. Growing Unequal? Income Distribution and Poverty in OECD Countries. Paris: OECD.

Polanyi, Karl. 1944. The Great Transformation. New York: Rinehart.

Wallerstein, Immanuel. 1974. The Modern World-System, Vol. I: Capitalist Agriculture and the Origins of the European World-Economy in the Sixteenth Century. New York: Academic Press.

 

 

Beitrag 2:

From One Recession to Another: the Evolution of Poverty, Material Deprivation and Income Inequality in Switzerland between the Downturn of the Early 1990s and the Worldwide Crisis of the Late 2000s 

 

 

Referent/in: Dr. Eric Crettaz, Pascale Gazareth 
Organisation:

University of Neuchâtel 

Abstract:

Contrary to most advanced economies, Switzerland did not experience a strong increase in unemployment in the 1980s; however, it went through a major economic slowdown in the 1990s. As a result, unemployment increased strongly, and so did poverty. Unfortunately, official poverty time series are not available anymore, and the new figures based on the recently implemented Survey on Income and Living Conditions (SILC) only cover the period 2008-2011. Perhaps more surprising is the fact that only a few empirical studies have addressed the topic of how income inequality has evolved in Switzerland; most focus on relatively short period of time and are based on different datasets. Regarding material deprivation, own research based on the Swiss Household Panel shows a relative stability of deprivation at the macro-level during the early 2000s but substantial variations at the individual level.
At the end of the 2000s, Switzerland was affected by four consecutive quarters of negative growth (Q4 in 2008 until Q4 in 2009). After that, the country fared pretty well, both in terms of GDP and employment performance. However, as no statistics on poverty, material deprivation and income inequality are available for the period 1990-2012, it is not possible to compare the effects of both recessions.
Drawing on first results of an ongoing SNSF sponsored research project, this contribution presents original evidence as to exactly how (and why) poverty, material deprivation and income inequality have evolved in Switzerland since the early 1990s. The contribution will also assess whether both recessions have had similar impacts, and will seek for potential explanations among macroeconomic, socio-demographic and public policy factors, notably the fact that the Swiss welfare state has undergone some important changes in recent decades.

Bibliographie:

Crettaz, Eric. 2011. Fighting Working Poverty in Post-industrial Economies: Causes, Trade-Offs and Policy Solutions. Cheltenham, UK and Northampton, MA, USA: Edward Elgar.

Dell, F., Th. Piketty and E. Saez. 2007. "Income and Wealth Concentration in Switzerland over the Twentieth Century." In A.B. Atkinson and Th. Piketty (eds), Top Incomes over the Twentieth Century.Oxford: Oxford University Press.

Ecoplan 2004. Verteilung des Wohlstands in der Schweiz. Bern: Eidgenössische Steuerverwaltung.

Ernst, C., M. Gerfin, and Robert E. Leu. 2000. "Inequality Trends in the Swiss Income Distribution." Swiss Journal of Economics and Statistics 136 (3):289-305.

Federal Statistical Office 2002. Working Poor in der Schweiz.Konzepte, Ausmass und Problemlagen aufgrund der Daten der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung. Neuchâtel: Bundesamt für Statistik.

Federal Statistical Office's website/ Arbeit und Erwerb/ Arbeitslosigkeit, offene Stellen http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/03/03/blank/data/01.html

Gazareth, Pascale, and Christian Suter. 2010. "Privation et risque d'appauvrissement en Suisse, 1999-2007." Swiss Journal of Sociology, 36(2): 213-234.

Kuhn, Ursina, and M.M. Grabka. 2012. "Entwicklung der Einkommensungleichheit in Deutschland und in der Schweiz seit der Jahrtausendwende." Schweizerische Zeitschrift für Soziologie, 38 (2) : 311-334.

Leu, Robert E., Stefan Burri, and Tom Priester. 1997. Lebensqualität und Armut in der Schweiz. Bern: Haupt.

Nolan, B. and Ch.T. Whelan. 2010. "Using Non-Monetary Deprivation Indicators to Analyse Poverty and Social Exclusion in Rich Countries: Lessons from Europe?" Journal of Policy Analysis & Management, 29:305-323.

 

 

Beitrag 3:

Precariousness in Times of Crisis – Contrasting Switzerland and Spain 

 

 

Referent/in: Prof. Monica Budowski, Sebastian Schief 
Organisation:

University of Fribourg 

Abstract:

The current global economic situation is about to lead to feelings of uncertainty and the fear of social declassification. Within the field of social inequalities, recent empirical research highlights the need to approach an important social category, namely households in "precarious prosperity" struggling to maintain a certain secure prosperity, while being permanently aware of the limits of their opportunities and choices.
In order to employ a comparison between Switzerland and Spain we opt for a "most different design" regarding the opportunity structures and a "similar system design" regarding the socio-economic positions of the population we want to examine. Both countries were affected by the financial crisis beginning in 2008, yet to different degrees. The proposed contribution asks whether and to what extent households in "precarious prosperity" attribute changes in their life to the global financial crisis.
We gathered the qualitative data within the project "A Comparative Perspective on Strategies of Households in Precarious Living Conditions in Four Countries" financed by the Swiss National Science Foundation (SNSF). We interviewed the same households in Switzerland (about 75) just before and during the onset of the present crisis (2008) and again in autumn in 2009; in Spain the interviews (about 25) were carried out in spring 2009 and in autumn 2010. We analyze the type of change the households experienced in the time lapse between the interviews, how they perceived it and whether they considered the crisis relevant for their situation.
Results show that, in contrast to Spain, few households in Switzerland link their experiences of precariousness directly to the global crisis. We conclude that one year after the outbreak of the current global crisis, it has not become a major issue in the perception of everyday life of households in Switzerland whereas crisis is an issue in many of the Spanish households interviewed. 

Bibliographie:

Barbier, J-C. 2005. "La précarité, une catégorie française à l'épreuve de la comparaison internationale." Revue française de sociologie, 46(2):351-371.

Budowski, Monica, Robin Tillmann, Wiebke Keim, and Michèle Amacker. 2010. "Conceptualizing 'precarious prosperity': Empirical and theoretical elements for debate." International Journal of Comparative Sociology 51(4):268-288.

Castel, Robert. 1995. Les métamorphoses de la question sociale. Paris. Fayard.

Hübinger, W. 1996. Prekärer Wohlstand. Freiburg i. Br.: Lambertus.

Kraemer, K. 2009. "Prekarisierung – ein Vorschlag zur Systematisierung eines schillernden Begriffs," in St. Kutzner, M. Nollert, M. und J.-M. Bonvin, J.-M. (Hrsg.), Erwerbsarbeit und Armut. Zürich: Seismo.

Paugam, Serge. 2000. Le salariat de la précarité. Paris: PUF
Przeworski, A. and H. Teune. 1970. The Logic of Comparative Social Inquiry. New York: Wiley-Interscience.

Ragin, Charles. 1987. The Comparative Method: Moving Beyond Qualitative and Quantitative Strategies. University of California Press.

Vogel, B. 2009. Wohlstandskonflikte. Sozial Fragen, die aus der Mitte kommen. Hamburg: HIS.

 

Plenumsveranstaltung B7: Social inequality and health: Current theoretical challenges and new...

Plenumsveranstaltung B7:
B7 – Social inequality and health: Current theoretical challenges and new empirical findings

 

Zeit: Donnerstag, 27.06.2013: 09.00 - 11.00
Ort: HG 205
Organisator/en: Profs. Thomas Abel and Gerry Veenstra 
Chair: Prof. Peter C. Meyer

 

 

Beitrag 1:

Capital interplays in the production and reproduction of health inequalities 

 

 

Referent/in: Prof. Gerry Veenstra 
Organisation:

University of British Columbia, Vancouver 

Abstract:

Strong and positive associations between the constitutive elements of socioeconomic status and individual health are plentiful in the health literature (Braveman et al., 2011; Matthews & Gallo, 2011; Adler et al., 2012). While the majority of studies examine the effects of one aspect of socioeconomic status on health in isolation of, or controlling for, the others, some depict moderating or mediating effects of education, income and/or occupation, demonstrating the existence of independent and interconnected relationships between the facets of socioeconomic status and health. Nonetheless we find that this literature lacks a solid theoretical foundation. The concept of socioeconomic status itself is a hodgepodge of disparate concepts that do not obviously cohere together in a recognizable way, and there is clearly more to socioeconomic disadvantage than the lack of educational credentials and a good job. Consequently the explanatory rationales for relationships between socioeconomic status and health offered by the health literature are underwhelming. The socioeconomic health inequalities field needs a coherent theoretical framework that encompasses multiple forms of socioeconomic disadvantage and conceptually links them to one another and to health. We turn to the theory of symbolic power offered by Pierre Bourdieu (Bourdieu 1984, 1986, 1998) to conceptualize socioeconomic advantage and disadvantage and their implications for health. Our framework is founded upon multiple and overlapping forms of capital, interplays amongst and between the capitals and their diverse, multitudinous effects on health practices and health. We provide brief descriptions of economic, cultural and social capitals, the three primary forms of capital delineated by Bourdieu; describe several oft-overlooked characteristics of capitals that background capital interplays; examine various processes of capital interplay which are especially relevant for health; and, lastly, discuss implications for further theorizing and future empirical investigations. Our theoretical visioning will, we hope, provide researchers with a useful framework for interpreting existing research findings on socioeconomic status and health and, more importantly, for conducting new research on capitals, capital interplays and health. 

Bibliographie:

Adler, N, Bush, NR, Pantell, MS. (2012). Rigor, vigor, and the study of health disparities. PNAS 109, S2, 17154-17159.

Bourdieu, P. (1984). Distinction. A Social Critique of the Judgement of Taste. Harvard University Press, Cambridge.

Bourdieu, P. (1986). The forms of capital. In Handbook of Theory and Research for the Sociology of Education, ed. J. G. Richardson. Greenwood Press, New York.

Bourdieu, P. (1998). Practical Reason. On the Theory of Action. Stanford University Press, Stanford.

Braveman, PA, Egerter, S, Williams, DR. (2011). The social determinants of health: Coming of age. Ann. Rev. Public Health 32: 381-398.

Matthews, KA, Gallo, LC. (2011). Psychological perspectives on pathways linking socioeconomic status and physical health. Annu Rev Psychol 62: 501-530.

 

 

Beitrag 2:

Beyond money? Cultural capital and capabilities in the social stratification of health-relevant practices in Switzerland 

 

 

Referent/in: Prof. Thomas Abel 
Organisation:

University of Bern

Abstract:

Associations between socio-economic position and health and health behaviours have been documented for most countries, including Switzerland. Economic, social and cultural capitals have been identified as major resources and determinants of health. Drawing on Bourdieu's theory of power and privilege (Swartz 1997) capital interplay has been recently described as a key process in the social (re-) production of health inequalities and inequities (Abel & Frohlich 2012). Capital theory has also been linked to individuals' range of options for health practices (Abel & Schori 2010; Frohlich et al. 2001).
The current presentation examines the role of cultural capital and capabilities in the unequal distribution of health-relevant behaviours in Swiss young adults. Within this age group, is there empirical evidence for a close relationship between educational credentials in the family, young men's own education and possession of certain cultural goods (cultural capital) and health relevant practices such as smoking, drinking and physical activity? What is the role of opportunity structures (capabilities) in the link between unequally distributed capitals and the health practices of these young men?
This approach expands the scope of culture-based capitals beyond a priori class-defining capital indicators to include other culture-based resources in the production of health and health inequalities such as health-specific values and knowledge sets. Following Sen's theory of justice (Sen 1999), various measures of capabilities are applied to statistically explore the potential contribution of this approach to understanding the links between capitals and the social patterning of health practices. Empirical findings will be presented based on advanced statistical modelling of data from the 2010/11 Swiss Youth Survey comprising some 31.000 paper and pencil interviews with young Swiss men aged 18-25 years ( www.chx.ch ).
The empirical findings will be discussed in the light of the plenary's overarching theme on social inequality and health. 

Bibliographie:

Abel, T. & Frohlich, K. L. (2012). Capitals and capabilities: Linking structure and agency to reduce health inequalities. Social Science & Medicine, 74, 2: 236-244

Abel, T., Schori, D. (2009). Der Capability-Ansatz in der Gesundheitsförderung: Ansatzpunkte für eine Neuausrichtung der Ungleichheitsforschung [The Capability Approach in Health Promotion: Towards a Re-orientation of Inequality Research]. Österreichische Zeitschrift für Soziologie, 2009, 2, 48-64.

Frohlich, K. L., Corin, E., & Potvin, L. (2001). A theoretical proposal for the relationship between context and disease. Sociology of Health and Illness, 23(6),776-797.

Sen, A. (1999). Development as freedom. New York: Random Books.

Swartz, D. (1997). Culture and power: The sociology of Pierre Bourdieu. Chicago: University of Chicago Press.

 

 

Beitrag 3:

Health Institutions facing Social Inequalities 

 

 

Referent/in: Sandro Cattacin 
Organisation:

University of Geneva

Abstract:

The health sector has radically changed since the original architects of the welfare states set them up. The after Second World War period was characterised by the internal development of welfare states as a period combining a technocratic view with a "dynamic conservatism" (Schön 1971), rather than focusing on clients' needs. During the years of the economic development – the 'Fordist' period – efforts were put to improve the access to services for all through infrastructural developments; but not only access was at the top of the agenda for the promotion of individual health and the fostering of social institutions. The enlargement of the various institutions (hospitals, clinics, ambulatories etc.) and the promotion of excellence of their services were also at the centre, more in a logic of 'more of the same', than in a perspective of 'inclusion of particularities'. The Fordist uniformization of the services delivery has in other words also reached the health sector, establishing difference blindness or 'blending' as normality.
Feminism first, followed by solidarity movements and movements claiming for the respect of their particularities challenged since the 1970s the Fordist logic. Gender issues, migration and disabilities were probably the most important topics of critique of the violence exerted from the 'uniform model', as first formulated by pioneers like Kate Millett (Millett 1971), Rudolf Braun (Braun 1970) or Michel Foucault (Foucault 1972). In the field of health services those critiques were most prominent and challenging. But how has the health sector reacted to these virulent critics? In the lecture, we will identify potential institutional risks of discrimination and reconstruct and analyse the reflexivity of policy and institutions in these fields by looking at radical differences of identities of their clients such as: being Jewish, being black, being a sex worker etc. 

Bibliographie:

Braun, Rudolf. 1970. Sozio-kulturelle Probleme der Eingliederung italienischer Arbeitskräfte in der Schweiz. Erlenbach-Zurich: Eugen Rentsch Verlag.

Foucault, Michel. 1972. Histoire de la folie à l'âge classique. Paris: Gallimard.

Millett, Kate. 1971. Sexual politics. New York: Avon.

Schön, Donald. 1971. Beyond the Stable State. New York: Random House.